Es ist Derbyzeit. Oder nicht ?
Samstag. 23. Juli. Wir schreiben das Jahr 2011. Ein Tag, um Geschichte zu schreiben. Die Spannung steigt. Ganz Dortmund auf den Beinen. Am Bahnhof Mengede sieht man dutzende Sonderzüge. Zusammengepfercht. Tausende. Abertausende. Derbyzeit. Zeit um den Supercup zu holen. Der Rekordsupercup-Sieger gegen die Schalenlosen aus GE. Traumfußball gegen Altersheim. Derby. Das Ruhrgebiet in zwei Lager geteilt. Oder etwa nicht ?
Um kurz abzuschweifen – jaja, hier gibts noch einen Blog, ich bessere mich und schreibe demnächst mehr. Kopie von anderen Artikeln. Sucht euch was aus. Fertig abgeschwiffen (Präterritum von abgeschweift ? Hm). Zurück zum 23. Juli. Dem Tag, an dem Geschichte geschrieben wird. Supercup – ein seit letztem Jahr wieder offizieller Wettbewerb der DFL. Der glorreiche Ballspielverein Borussia von 1909 aus Dortmund darf sich hier “Rekordsieger” schimpfen. Zumindest, wenn man die offiziellen und inoffiziellen Cups zusammen zählt (2008 wurde ein nicht offizieller Supercup zwischen Borussia und Bremen ausgetragen). Rekordtorschütze ist Wynton Rufer, Rekordspieler Miroslav – Mirko – Votava, Olli Reck und Ulrich Borowka (Hallo, Wikipedia – reicht das, um nicht bei Guttenplag aufzutauchen ?).
Knallerspiele wie Bayern gegen Dortmund (1989) oder Bayern gegen FC Schalenlos (2010) gehörten schon immer dazu. Doch heute wird eine neue Supercup-Ära eingeleitet. Borussia gegen Sch**ke. Die Mutter aller Derbies. Die Luft brennt auf den Straßen, in den Blöcken, in den Zügen und auf der Autobahn. Normalerweise. Doch das Derby zeigt mir gerade in diesen Tagen ungemein die Schattenseiten einer gewonnenen Meisterschaft auf: Während der harte Kern der Fananhängerschaft aus Dortmund das Spiel als Testspiel ansieht, ohne große Aufregung, das Spiel vielleicht am TV verfolgt, aber ansonsten unaufgeregt das Ergebnis zu Kenntnis nimmt, so macht sich ein “Mob” aus angereisten 2010/2011 Fans auf den Weg nach Gelsenkirchen, um ein (oftmals ihr erstes) Derby zu sehen, und “Tod und Hass dem S04″ zu schreien. Irgendwie befremdlich. Einige viele Neu-Borussen gehen in ein Stadion eine Multi-Event-Turnhalle, sehen eine Generalprobe zur neuen Saison – quasi ein etwas besseres Freundschaftsspiel – und freuen sich schon 2 Wochen vorher darauf, den “Feind” zu beschimpfen, zu bepöbel, und ihm den vorpubertären Stinkefinger zu zeigen.
Für mich irgendwie etwas befremdlich. Und auch nichts für mich. Ein zum Event hochstilisiertes” Derby”, dem eine wirklich komplett andere Anhängerschaft des BV Borussia folgt, als bei einem Regulärem. Eine Anhängerschaft, mit der ich mich nicht wirklich identifizieren kann. Mit – wie ich denke – gesteigertem Rosa-Schal-Potential als bei anderen Spielen. Ein Trend, den ich in der letzten Saison zu meinem Leidwesen öfters mitbekommen habe – wenn man seine Tageskarte in den “falschen” Bereichen des Westfalenstadions bekommen hatte, wusste man direkt, was ich meine. Ein Meister zieht ein völlig anderes Publikum an als ein UEFA-Cup (ich nenne es weiterhin so) Teilnehmer. Gewiss, die letzte Saison war grandios, den Fußball hat wohl jeder aufgesogen, in purer Euphorie. Auch ich werde sie in extrem positiver Erinnerung behalten. Das wird so nie wieder geschehen. Die “dazugekommenen” Fans sind aber nun auch zumeist die, die Borussia in einer Phase, wo es nicht so gut läuft, entweder beschimpfen, oder sogar gleich wieder den Rücken kehren.
Um noch ein wenig weiter abzuschweifen. Ihr – Derbymob – erinnert ihr euch an Zeiten vor 2008 ? Vor Kloppo, dem Popstar ? Die Zeit, an der unsere Borussia am Boden lag. 2004, das (finanzielle und langsam auch sportliche) Seuchenjahr ? Was haben wir gelitten. Den Molsiris-Tag werden wohl so einige nicht mehr vergessen. Das war eine ganz schön lange Durststrecke, die (mehr oder weniger) bis zum Pokalfinale in Berlin andauerte. Furcht des Gegners vor dem Westfalenstadion ? Fehlanzeige. Dafür wurde man von jedem noch so kleinen “Fan” aus der verbotenen Stadt angesprochen. “Haha, heute sterbt ihr endlich.” – solche Worte vergesse ich ebenfalls nie (2008 habt ihr dann gemerkt, dass wir noch leben – am Rande). Erinnert euch mal an Bielefeld 2007. Der Absturz auf den 17. Platz. Ja, wir haben gespielt wie ein Absteiger. Borussia, die letztes Jahr grandios Meister geworden ist. Kennt ihr solche Leidenszeiten ? Auch da kamen dumme Sprüche, die zum Teil so sehr unter der Gürtellinie waren, dass sie am anderen Ende der Welt wieder ‘rauskamen.
Ich wünsche euch, lieben heutigen Derbyfahrern natürlich ein erfolgreiches Spiel, ja – auch ich freue mich über einen Sieg in der Turnhalle. Nur übertreibt es bitte nicht. Es ist Vorbereitung. Sollten wir verlieren, dann ist es ärgerlich – aber kein Weltuntergang. Saison ist er nächste Woche. Der vorherige Absatz ist normalerweise der Grund, weshalb ich dort nicht mehr hinfahre. Freiwillig tue ich mir das Stadion die Turnhalle nämlich definitiv nicht mehr an. Der zweite Grund ist nun die zum Teil befremdliche Neu-Anhängerschaft unseres Vereins.
Was bin ich froh, dass man mich in der nächsten Saison wieder im Süden findet.
