Bahnhöfe sollen die Stadt repräsentieren. Hauptbahnhöfe sowieso. Sie dienen als Einlasshalle in eine Stadt, geben den ersten Eindruck des allgemeinen bahnreisenden Kunden über eine fremde Stadt. So soll – nach Ansicht der Städteplaner – der Besucher einer Stadt schon durch den Hauptbahnhof sehen, was ihn in der Stadt selbst erwartet. In der Theorie …
Denn unser am-liebsten-aber-fast-börsennotiertes Unternehmen “Deutsche Bahn” sieht das scheinbar nicht in jeden Fällen so, ja scheint sogar zweierlei Maß zu messen, was Schönheit von Empfangshallen, Bahnsteigen oder Zuwegungstunneln angeht.
In Berlin steht der Ausdruck eines Protzbaus von Hauptbahnhof. Architektonisch anspruchsvoll und durchaus schön (jedoch bei Sturm labil, siehe Sturz der Stahlträger bei Kyrill). Über 2 Milliarden Euro teuer. Ein echtes Aushängeschild einer großen Stadt. Zwar ist der Bahnhof hier kein wirklicher Hauptknotenpunkt der Hauptstadt, jedoch hat die Bahn – und der Bund – hier einiges an Geld springen lassen.
In Stuttgart wird in Kürze ein eigentlich ganz gut durchdachter Kopfbahnhof, der natürlich – wie viele Bahnhöfe – überirdisch ist, mit einem Milliardenaufwand unter die Erde bewegt. Danach soll er angeblich 1/3 mehr Kapazität aufnehmen können. Sinn oder Unsinn sei mal dahingestellt, das ist hier auch nicht Thema der Diskussion, jedoch kann ich mir beim besten Willen nicht erklären, wie ein Unternehmen, was nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten handelt, hier so einen teuren Bau hinsetzt. Stuttgart21 ist einfach zu teuer – GERADE wenn man andere Bahnhöfe betrachtet.
Der allgemeine Dortmunder weiß wovon ich spreche. In Dortmund sind schöne, einladende Bahnhöfe eine Rarität. Dortmund-Mengede wird ja gerade (von der Stadt, nicht von der Bahn) saniert, Dortmund-Hörde ebenfalls. Klar, hier entsteht ja schließlich der Phoenix-See. Aber was ist mit den sonstigen Bahnhöfen, wo man sich nachts auf Grund mangelnder Beleuchtung, schlechter Sicherheitslage, und kaum funktionierenden Rolltreppen / Aufzügen nicht hintraut, nicht hintrauen kann ? Dortmund-Westerfilde, Dortmund-Dorstfeld, ja sogar der neue Bahnhof Dortmund-Lütgendortmund lässt allgemeine “Standards” vermissen. Von Dortmund-Scharnhorst darf man schon garnicht mehr sprechen.
Wobei wir schon bei der absoluten Oberfrechheit sind: Dortmund-Hauptbahnhof.
Wie oft wurde uns schon versprochen, dass Dortmund einen neuen Bau bekommt, der nicht nur zweckmäßig, sondern auch schön ist ? Siehe 3Do, was (gottseidank) gescheitert ist, siehe Bahn-Entwürfe aus dem Jahre 2003. In jedem Falle sollte der neue Hauptbahnhof zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006 (ja, wir waren WM-Stadt, sogar mit Halbfinale) aufwendig saniert werden. Aber nichts ist geschehen.
Nun gab es eine Renovierung, es wurde wirklich glatt Geld in die Hand genommen. Und ein wenig Wellblech. Eine Bahnhofssanierung in Zeiten von Stuttgart 21 und Berlin Hbf:

Es mag vielleicht den Einen oder Anderen geben, dem der Bahnhof hier gefallen sollte. Mir tut er es jedenfalls nicht. Und wehe, man schaut einmal in den “Bauch” hinter der Empfangshalle. Da geht es sogar soweit, dass es Situationen (gerade bei BVB-Spielen) gibt, wo bei einer Panik Menschen in Gefahr sein könnten. So habe ich einmal gesehen, wie gegen den HSV vorne und hinten im Bahnhof eine Polizeikette zur Absperrung zweier Fangruppierungen gebildet wurden. Was zur Folge hatte, dass es tierisch eng wurde. Schließlich kamen mit den Zügen ja noch immer Menschen nach. Es sah schon wirklich gequetscht aus. Und soetwas in einer Stadt, die gerade einmal 2000 Einwohner weniger hat als die Stadt, dessen Bahnhof in den Boden verlegt wird. Wahnsinn.
Liebe Deutsche Bahn – wenn ihr nicht wirklich eure Glaubwürdigkeit verlieren solltet, macht etwas gegen diesen Zustand. Viele Dortmunder Bürger würden es euch danken.